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NaTech-Förderung - Science Education in Europe

Basierend auf zwei Seminaren der  Nuffield-Stiftung im Jahr 2006 in London, verfassten Jonathan Osborne und Justin Dillon 2008 einen Bericht z. Hd. der Stiftung mit dem Titel: Science Education in Europe: Critical Reflections.

 

Der Bericht kann hier als PDF-Datei (225 KB) heruntergeladen werden.

 

Gemäss diesem Bericht sind in unserem heutigen NW Unterricht zwei Ansprüche enthalten, die nur schwer miteinander vereinbar sind: Einerseits soll eine Minderheit von zukünftigen Naturwissenschaftlern soweit ausgebildet werden, dass sie den Anforderungen des Studiums genügen können. Andererseits sollen aber auch für die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler, die kein NW-Studium absolvieren werden, die wichtigsten Grundkenntnisse und Basiskonzepte vermittelt werden, damit diese ein solides Grundverständnis der Naturwissenschaften entwickeln können.
Unter den gegebenen Voraussetzungen scheint dieser Spagat nicht zu gelingen, denn einerseits wird die NW-Ausbildung an den Hochschulen als mangelhaft eingestuft und andererseits ist bei einem Grossteil der (gebildeten) Bevölkerung eine deutliche Skepsis, wenn nicht sogar Feindlichkeit gegenüber Naturwissenschaft und Technik zu beobachten, die eigentlich nur durch mangelndes Verständnis gegenüber diesen Disziplinen erklärbar sind.

Wann und wie soll naturwissenschaftlicher Unterricht beginnen? Darauf findet die Studie eine klare Antwort: Möglichst früh, und zwar mit Möglichkeiten selber zu experimentieren und zu erforschen. Besonders wichtig für die Motivation und das Interesse für Naturwissenschaften ist die Phase bis 14 Jahren. Konnte bis zu diesem Alter das Interesse an naturwissenschaftlichen Fragen noch nicht geweckt werden, wird es später schwieriger, dies noch zu erreichen.

 

Von den Autoren der Studie werden sieben Empfehlungen an die Regierungen der EU-Staaten abgegeben (Übersetzung):

 

Empfehlung 1:
Das primäre Ziel des naturwissenschaftlichen Unterrichts in der EU sollte zum einem darin bestehen, den SchülerInnen die wichtigsten Definitionen der materiellen Welt, über welche die Wissenschaft verfügt, und zum anderen deren Funktionsweisen zu erklären. Demgegenüber sollte der naturwissenschaftliche Unterricht, dessen Hauptziel es ist, zukünftigen NaturwissenschaftlerInnen und Ingenieuren ein Grundwissen zu vermitteln, fakultativ sein.

 

Empfehlung 2:
Um SchülerInnen zu motivieren, sind verstärkte Anstrengungen nötig: Lehrpläne müssen reformiert und die Organisation des naturwissenschaftlichen Unterrichts muss verbessert werden. Diese Neuerungen müssen evaluiert werden. Innerhalb der EU betrifft dies insbesondere den Lehrplan für das Fach Physik, der dahingehend gestaltet und getestet werden sollte, dass wissenschaftliche Themen in Zusammenhängen erklärt werden, mit einem besonderen Augenmerk auf die Interessen von Mädchen.

 

Empfehlung 3:
Die EU-Länder müssen verstärkt investieren in die Verbesserung der personellen und materiellen Ressourcen innerhalb der Schulen, damit SchülerInnen eingehend informiert werden, zum einen über berufliche Karrieremöglichkeiten innerhalb der Naturwissenschaften – im Speziellen, warum die Arbeit in einem naturwissenschaftlichen Umfeld eine wichtige kulturelle und humanitäre Aktivität darstellt – aber auch über Laufbahnen, die sich aus bzw. auf der Grundlage eines naturwissenschaftliches Studiums ergeben können, d.h. über die Vielzahl an beruflichen Möglichkeiten im Anschluss daran.

 

Empfehlung 4:
Die EU-Länder sollten folgende Grundvoraussetzungen gewährleisten

  1. Die SchülerInnen der Grundschule und der ersten Stufen der Sekundarschule sollten von qualifizierten Fachlehrkräften unterrichtet werden.
  2. Der Schwerpunkt des naturwissenschaftlichen Unterrichts für SchülerInnen bis 14 Jahren sollte darin liegen, das Interesse an der Wissenschaft und an naturwissenschaftlichen Phänomenen zu wecken.

Die bisherigen Erfahrungen deuten darauf hin, dass dies am besten gelingt, wenn den SchülerInnen vermehrt Gelegenheit zum Erforschen und zu praktischen Experimenten gegeben wird, im Gegensatz zur reinen Vermittlung von kanonischen Konzepten.

 

Empfehlung 5:
Eine Weiterentwicklung und Erweiterung der Unterrichtsmethoden für naturwissenschaftliche Themen ist unerlässlich für die Motivation und aktive Teilnahme der SchülerInnen. Ein Umdenken bei den bestehenden Unterrichtspraktiken ist ein langfristiges Projekt, und es kann nur durch ausreichende und langfristige Investitionen in die fortlaufende Lehrerausbildung erreicht werden.

 

Empfehlung 6:
Die EU-Regierungen sollten erhebliche Summen in die Forschung und Entwicklung der Beurteilungskriterien für die naturwissenschaftliche Bildung investieren. Ziel sollte es sein, Kriterien und Methoden zu entwickeln, mit denen man die Fähigkeiten, das Fachwissen und die Kompetenzen - wie man sie von einer naturwissenschaftlich gebildeten Person erwartet – beurteilen kann.

 

Empfehlung 7:
Das Fundament einer formalen wissenschaftlichen Bildung sind in jedem Fall gute qualifizierte LehrerInnen, deren Kenntnisse jeweils auf neuestem Stand sind. Die EU-Bildungspolitik muss sich daher als oberste Priorität setzen, entsprechende Systeme und Strukturen zu schaffen, in denen geeignetes Personal rekrutiert, gefördert und laufend weitergebildet werden kann.

 

Gemäss dieser Einschätzung sind zur Förderung des naturwissenschaftlichen Unterrichts erhebliche Anstrengungen und Investitionen erforderlich.

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