schulphysik.ch

Neue Aufgabenkultur

Anstoss zu diesem Artikel bildet ein Referat von Prof. Dr. Kurt Reusser von der Universität Zürich mit dem Thema:

Lernauftrag und Lernbegleitung beim selbstorganisierten Lernen

Ausgehend von zwei Thesen wird eine neue Aufgabenkultur entwickelt...

 

Tesen:

1. Qualitativ hoch stehendes Lernen erfolgt weitgehend selbst reguliert

Man versteht nur das wirklich gut und kann es selber später anwenden, was man selbst erarbeitet - geistig (nach-)konstruiert oder (ko-)konstruiert - hat.
Je

  • aktiver und selbst gesteuerter
  • problemorientierter und zielgerichteter
  • besser mit dem eigenen Vorwissen verknüpft
  • bewusster und reflektierter
  • dialogischer und interaktiver Wissen erworben, (ko-)konstruiert und durchgearbeitet wird,

 

desto...

  • besser wird es verstanden (Transparenz, Klarheit)
  • dauerhafter wird es behalten (Stabilität)
  • beweglicher kann es beim Denken und Handeln in neuen Kontexten genutzt werden (Transfer, Mobilität)
  • positiver werden die damit verbundenen Lernprozesse erlebt (Motivationsgewinn, Interesse, Relevanz, Selbstwirksamkeit)

 

 

2. „Aufgabenkultur“:Wichtiger Bestandteil von selbst organisiertem Lernens sind attraktive fachliche Probleme und Lernaufgaben

 

Der Qualität von Lernaufgaben (Aufgabenkultur) und von erweiterten Formen einer adaptiven Lernunterstützung (jenseits direkter Instruktion) kommt dabei eine herausragende Bedeutung zu.

 

Gute Lernaufgaben

  • repräsentieren fachliche Kernideen und erfordern zu ihrer Bearbeitung fachspezifische Kompetenzen
  • besitzen (durch Authentizität, Induktion von Neugier / kognitivem Konflikt, Alltagsbezug) Motivierungsqualität, sich auf einen fachlichen Gegenstand einzulassen (Heinrich Roth: erlauben „originale Begegnung mit dem Stoff“)
  • führen in disziplinäres Sehen und Denken ein (ontologisch, methodologisch)
  • sind prozess- und ergebnisorientiert und erlauben zielgerichtetes Arbeiten
  • lassen sich auf unterschiedlichen Niveaus lösen und eignen sich somit für schwächere und starke Schüler/innen (Heterogenität)
  • eröffnen multiple Zugänge, Perspektiven, Denk- und Lernwege
  • laden ein zu tiefem Verstehen und Problemlösen – sind kognitiv aktivierend im Sinne des „geistigen Operierens“ bzw. „mindful thinking“ (Piaget, Aebli) – und trainieren dabei Problemlöse- und Lernstrategien
  • schaffen Gelegenheiten zum „Theoretisieren“ auf höheren kognitiven Niveaus

(induktives & deduktives Denken, Analyse, Synthese ...)

  • Lassen sich nicht mit „copy + paste“- Strategien, insbesondere Abschreiben aus dem Internet lösen (Plagiat-Prävention)

 

Aktuelle Seite: Startseite Unterrichten Neue Aufgabenkultur