schulphysik.ch

SOL

Ausgangslage:

 

SOL steht für Selbst organisiertes Lernen. Im Jahr 2008 wurden alle 20 Mittelschulen des Kantons Zürich verpflichtet, SOL-Sequenzen zu entwickeln und zu erproben.

 

 

Ziel:

 

Das Projekt wurde von der Bildungsdirektion verordnet, vom Mittelschul- und Berufsbildungsamt (MBA) geleitet und von der Bildungsplanung fachlich und personell unterstützt.

Ziel dieses Projekts war es

die Schülerinnen und Schüler aller Zürcher Gymnasien zu befähigen, ihre Lernprozesse vermehrt selbst zu steuern und überfachliche Kompetenzen zu entwickeln. Damit sollen sie besser auf die Hochschulen vorbereitet werden…

Für die wissenschaftliche Unterstützung und Beratung war das damalige Institut für Gymnasial- und Berufspädagogik (IGB) zuständig.

 

Grundlage für das gross angelegte Projekt bildet der Bericht der Bildungsdirektion an den Bildungsrat vom Dezember 2006:

Aktueller Stand und Entwicklungsmöglichkeiten im Bereich der gymnasialen Mittelschulen des Kantons Zürich.

Darin werden insbesondere die Seiten 15, 17, 21 24 als massgebend angegeben:

Die Kernaussagen dieses Berichts sind:

  • Das MAR und der aktuelle bildungspolitische Diskurs messen den überfachlichen Kompetenzen eine hohe Bedeutung zu, der die reale Umsetzung auf der Gymnasialstufe zu wenig gerecht wird. Deshalb werden die Präzisierung dieser überfachlichen Kompetenzen und die Festlegung der entsprechenden Lernziele als dringend notwendig erachtet.
  • Definieren, welche überfachlichen Kompetenzen vermittelt werden sollen
  • Die gewählten Kompetenzen präzisieren und operationelle Lernziele Formulieren
  • Zur besseren Anpassung der gymnasialen Ausbildung an das Hochschulstudium sollte vermehrt interdisziplinär unterrichtet werden und eine Stufung des gymnasialen Ausbildungsgangs eingeführt werden.
  • Dabei sollten in der gymnasialen Unterstufe wie bis anhin die klassischen, bewährten Unterrichtsformen weiterpraktiziert werden und in der Oberstufe hingegen vermehrt klassenübergreifende Lernveranstaltungen im Wechsel mit selbstständigem Verarbeiten des Wissens durchgeführt werden.

 

Das Projekt basiert im Wesentlichen auf den unten angeführten Expertisen:

  • Gymnasiale Mittelschulen; Expertise zuhanden der BD; Jürgen Oelkers; 2006
  • Qualität des Unterrichts und Unterrichtsmodelle: Stand und Entwicklung der Zürcher Mittelschulen; Expertise zuhanden der BD; Regula Kyburz-Graber et al.; 2006
  • Evaluation der Maturitätsreform 1995 (EVAMAR) Phase II; Kurzbericht zuhanden der EDK und des SBF; Franz Eberle et al.; 2008

Link zum SOL-Projekt, Veröffentlichungen der Bildungsdirektion


 Grundfragen:


  • Welche überfachlichen Kompetenzen sind für die geforderte Hochschulreife für zentral?
  • Welche dieser Kompetenzen können mit dem herkömmlichen Unterricht schlecht oder gar nicht erreicht werden?
  • Wie sind SoL-Sequenzen zu gestalten, um diese überfachlichen Kompetenzen zu erreichen?

 

Die moderne Lehr- und Lernforschung misst dem selbständigen Lernen eine bedeutende Rolle bei. Die Vorteile und auch die Wirksamkeit von selbstständigem Lernen sind einsichtig, wissenschaftlich belegt und daher auch unbestritten.
Dabei darf man aber nicht ausser Acht lassen, dass es sich heute immer noch um ein relativ neues Forschungsfeld handelt. Selbst in der „Literaturübersicht zum SoL“ der Arbeitsgruppe Kyburz wird festgehalten:

Dass in einigen Bereichen der Forschung zum selbst organisierten Lernen zukünftiger Forschungsbedarf besteht und dass immer noch zu wenig bekannt sei, wie sich der Lernprozess und damit verbunden auch die verschiedenen meta-kognitiven, motivationalen, emotionalen und Handlungs-Fähigkeiten der Schüler/innen über mehrere Zyklen hinweg verändern und entwickeln und wie das selbst organisierte Lernen im Unterricht am besten begleitet und gefördert werden kann. Forschungsbedarf wird vor allem bei der Frage genannt, welche Lernstrategien die Schüler/innen auf welcher Stufe kennen und anwenden müssen, damit sie selbst organisiert lernen können und wie man den Einsatz von Lernstrategien wissenschaftlich erfassen und beurteilen kann.

Hinsichtlich des selbst organisierten Lernens wird also selbst von den Architekten des SoL-Projekts erheblicher Forschungsbedarf festgestellt.

Die Absicht bestand offenbar darin, bei den verordneten SoL-Projekten die fehlenden wissenschaftlichen Grundlagen wie z. B.

die Präzisierung überfachlicher Kompetenzen, das Festlegen einer Auswahl überfachlicher Kompetenzen und die Formulierung konkreter Lernziele

von den Schulen und den beteiligten Lehrpersonen selbst erarbeiten zu lassen.

Aus dem Studium der o. g. Expertisen und Berichten lassen sich eindeutig folgende Forderungen ableiten, die bei der Verbesserung des Unterrichts und der Entwicklung von Sol-Projekten als Leitschnur dienen sollten:

  • Stufung der gymnasialen Ausbildung
  • Stärkung der Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften
  • Vermehrtes fächerübergreifendes Arbeiten
  • Verbesserung der Sprachkompetenz und des mathematischen Könnens

Das Projekt:

 

Das vom Institut für Gymnasial- und Berufspädagogik (IGB) erarbeitete Modell zum SoL-Projekt enthält fünf Instrumente:

  • Einen Fragebogen zur Standortbestimmung in elf Dimensionen des SoL
  • Eine Kurzbeschreibung einer idealtypischen Form von SoL
  • Eine Literaturübersicht zum SoL
  • Eine Kurzzusammenfassung der Literaturübersicht
  • Einen Selbsteinschätzungsbogen SoL für die Schüler/innen (in Bearbeitung)

 

Und elf SoL-Dimensionen:

Schülerdimensionen

  • Prozess
  • Motivation
  • Denken
  • Reflexion über das Lernen
  • Persönlichkeitsentwicklung – Selbstwirksamkeitserwartungen

 

Lehrpersonendimensionen

  • Lernbegleitung
  • Lernmaterial
  • Leistungsbeurteilung
  • Dauer und Häufigkeit
  • Lernorte
  • Soziale Form

 

Als wichtigster Aspekt des selbst organisierten Lernens werden die selbständige und selbstbestimmte Vorbereitung, Durchführung und Evaluation der Bearbeitung einer Aufgabe genannt.

 

Sol-Spirale

Gemäss dieser Theorie sollen die Schüler und Schülerinnen diesen Lernprozess im Verlauf ihrer Mittelschulzeit wiederholt durchlaufen können. Zitat:

Mit zunehmender Erfahrung sollten sie dabei nicht nur fachliches Wissen erwerben, verarbeiten und speichern, sondern auch ihr eigenes Lernen verstehen und bewusst steuern können. Auf diese Weise könnten sie zunehmend Verantwortung für ihr eigenes Lernen übernehmen und. dabei lernen, Strategien einzusetzen, um ihr eigenes Lernen verstehen und steuern zu können. Solche Lernstrategien müssten sie im Unterricht explizit erwerben und an konkreten Beispielen üben können. Dabei sollten sie die Fähigkeit erwerben, für einen bestimmten Lerninhalt angemessene Lernstrategien auszuwählen, zu kombinieren, zu erweitern und schliesslich auf neue Situationen und Kontexte zu übertragen zu können.

Dieser Sachverhalt wird in der sog. SoL-Spirale grafisch veranschaulicht:

Gemäss den Autoren ist selbst organisiertes Lernen zugleich Voraussetzung, Methode und Ziel. Insofern beschreibe das Konzept einen idealtypischen Zielzustand….!?

 

 

Die idealtypische Form wird wie folgt dargestellt:

  • Dauer: 4–5 Wochen bis zu einem Quartal à 2-3 Lektionen. Diese Angaben beruhen auf Annahmen, die nicht weiter belegt werden.
  • Häufigkeit: Die SoL-Unterrichtsanlässe sollen gemäss der Lernspirale wiederholt stattfinden.
  • Soziale Form: Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit in Kombination mit dem normalen Klassenunterricht (Diskussion, Austausch)
  • Prozess: Die drei Phasen (Vorbereitung, Durchführung und Evaluation) werden von den Lernenden selbst gesteuert und dokumentiert. Die Dokumentation kann z. B. umfassen:
    • eine Zielvereinbarung mit der Lehrperson
    • einen Arbeitsplan
    • eine Beschreibung des Arbeitsergebnisses
    • eine schriftliche Reflexion
  • Lernbegleitung: Die Lehrpersonen unterstützen die Lernenden vor, während und nach der Durchführung und vereinbaren Lern- und Arbeitsziele. Sie stehen zur Besprechung offener Fragen zur Verfügung, geben eine Standortbestimmung und schliesslich ein Feedback. Zur Unterstützung der Reflexion über den Lernprozess wird ein Selbsteinschätzungsbogen SoL vom IGB erarbeitet.
  • Leistungsbeurteilung: Diese soll die gesamte Leistung umfassen, namentlich inhaltliche, methodische und soziale Fähigkeiten. Sie umfasst im Weiteren Selbst- und Fremdbeurteilung und bezieht sich auf den Prozess und die Produkte. Die Schülerinnen und Schüler sollen bei der Festlegung der Form der Leistungsbeurteilung mitbeteiligt werden.

 

Neben dieser selbstständigen und selbstbestimmten Planung, Steuerung und Überprüfung wird zusätzlich gefordert, dass die Schüler und Schülerinnen:

Ihre Aufgaben selbst definieren, sich ihre Ziele selbst setzen, einen eigenen Zeitplan erstellen und einhalten, verschiedene Lernstrategien auswählen und anwenden, Informationen sammeln, sich selbst motivieren und sich Hilfe von der Lehrperson bzw. von den Mitschüler/innen holen und mit Konflikten umgehen sollen.

SoL soll somit eine aktive Wissenskonstruktion fördern und die Schülerinnen und Schüler in die Lage versetzen, ihr theoretisches Wissen für die Lösung komplexer realitätsnaher Probleme besser nutzen zu können:

Mit der Anwendung von Lernstrategien, welche im Unterricht explizit vermittelt und an konkreten Beispielen geübt werden sollen, lernen die Schüler/innen, das eigene Lernen zu verstehen und zu steuern. Dabei erwerben sie die Fähigkeit, für einen bestimmten Lerninhalt angemessene Lernstrategien auszuwählen, zu kombinieren, zu erweitern und schliesslich auf neue Situationen und Kontexte zu übertragen.


 EVAMAR II:


  • Evaluation der Maturitätsreform 1995 (EVAMAR)Phase II; Kurzbericht zuhanden der EDK und des SBF; Franz Eberle et al.; 2008 (4)

 

Das Reglement über die Anerkennung von gymnasialen Maturitätsausweisen (1995) MAR legt im Artikel 5 als zentrales Bildungsziel die allgemeine Hochschulreife fest, welche eine breite Allgemeinbildung, fachliche und überfachliche Kompetenzen sowie persönliche Reife umfasst.

Zur Erreichung diese Ziels wird den überfachlichen Kompetenzen ein hoher Stellenwert zugeschrieben. Für EVAMAR II (4, S.5) wurden Dozierende nach Wissenslücken bei Studienanfängerinnen und -anfängern befragt. Auffallend viele Lücken werden in der Erstsprache (bei uns also Deutsch) und in Mathematik genannt. In der Erstsprache sind dies im Wesentlichen Komponenten der „Sprachbeherrschung“, und deren „Dürftigkeit“.

Die Dozierenden sollten in einer weiteren Frage auf einer siebenstufigen Skala einschätzen, für wie wichtig sie überfachliche Kompetenzen für das Verständnis und den erfolgreichen Besuch ihrer Veranstaltungen erachten. Alle vorgelegten Kompetenzen wurden als sehr wichtig bis mindestens „mittelwichtig“ bewertet, und zwar in folgender Reihenfolge:

  1. Selbstständiges Lernen,
  2. Verantwortung für eigenes Lernen und Arbeiten übernehmen,
  3. Selbstständiges Arbeiten,
  4. Kritisches Denken,
  5. Problemlösefähigkeit,
  6. Schriftliche Ausdrucksfähigkeit,
  7. Zeit effizient einteilen und Prioritäten setzen,
  8. Mit Belastungen umgehen,
  9. Hörverstehen im Zusammenhang mit Vorlesungen,
  10. Mündliche Ausdrucksfähigkeit,
  11. Umfangreiche Prüfungen vorbereiten,
  12. Entwickeln neuer Ideen,
  13. In kurzer Zeit viel Lernstoff verarbeiten,
  14. Recherchefähigkeit,
  15. Im Team arbeiten,
  16. Vor Publikum auftreten.

Im Weiteren konnten die befragten Dozierenden angeben, bei welchen dieser überfachlichen Kompetenzen sie Defizite feststellten. Am häufigsten genannt wurden die Folgenden:

  • Schriftliche Ausdrucksfähigkeit (42%),
  • Kritisches Denken (35%),
  • Selbstständiges Arbeiten (30%),
  • Selbstständiges Lernen (26%),
  • Mündliche Ausdrucksfähigkeit (21%),
  • Verantwortung für eigenes Lernen und Arbeiten übernehmen (20.6%).

Die wenigsten Nennungen erhielten: Vor Publikum auftreten (3%) und Im Team arbeiten (3%).

Interessant hierbei ist, dass das selbstständige Lernen als wichtig eingestuft wird, die Defizite darin aber offenbar in der Praxis nicht als so gravierend empfunden werden.

Im Zusammenhang mit der Teilrevision des MAR wurde von der dazu beauftragten Arbeitsgruppe (2006) beantragt (3; S.12):

Die Stellung der naturwissenschaftlichen und der geistes- und sozialwissen­schaftlichen Fächer zu verbessern, die Maturitätsarbeit mittels Benotung aufzu­werten sowie die Anwendung fächerübergreifender Arbeitsweisen sicherzustellen

 


 Aktueller Stand:

 

Aktuelle Seite: Startseite Unterrichten SOL-Projekt